Nicht nur Berühmtheiten wie die österreichische Kaiserin Sissi oder Winston Churchill schätzten das milde Klima und die Schönheit der portugiesischen Insel im Atlantischen Ozean. Vor allem auch die üppige und artenreiche Pflanzenwelt der eindrucksvollen Berglandschaft im Meer lockt jedes Jahr tausende Touristen auf die Blumeninsel Madeira.

Es ist das besondere Klima, beeinflusst durch den Golfstrom, der hier das ganze Jahr über alle erdenklichen Früchte wie Mango, Maracuja oder Kaktusfeigen gedeihen lässt. Angenehme Sommertemperaturen und milde Winter machen die 741 km² große Insel westlich des afrikanischen Kontinents zum ganzjährigen Urlaubsparadies.

Dennoch liegt die Einzigartigkeit der Insel nicht nur in ihrer vielfältigen Fauna und dem angenehmen Klima. Es sind die Naturschönheiten, mit denen das Eiland aufwartet. Immerhin ragt hier eine der höchsten Steilklippen Europas - die „Cabo Girão“, in die Höhe und das ausgeklügelte Bewässerungssystem, die so genannten „Levadas“ dürften sogar weltweit einmalig sein. Doch dazu später mehr…

Auch wenn viele Besucher der Insel das Naturerlebnis suchen, lohnt sich ein Ausflug in die Inselhauptstadt Funchal. Der Name bedeutet übrigens so viel wie „Viel Fenchel“. Als ab 1420, auf Betreiben Heinrich des Seefahrers, die Insel von den Portugiesen besiedelt wurde, wuchs dort besonders viel Fenchel, daher der Name.

Mit 112.000 Einwohnern und der einzigen Universität der Inselgruppe, ist die Stadt zugleich das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Madeiras. Doch wofür Sie eigentlich berühmt ist, sind die einzigartigen Korbschlitten, die Carro de cesto“ oder auch „Tobogan-Schlitten“ genannt werden. Eine rasante Sightseeing-Tour der ganz besonderen Art startet im Stadtteil Monte oberhalb von Funchal, direkt vor der katholischen Wallfahrtskirche „Nossa Senhora do Monte“. Übrigens fand dort Kaiser Karl I. von Österreich seine letzte Ruhestätte. Nach dem Ersten Weltkrieg kam der Habsburger nach Funchal ins Exil und lebte dort mit seiner Familie bis zu seinem Tod im Jahr 1922.

Die Fahrt mit dem Holzschlitten ist ein absolutes Muss und kostet für zwei Personen rund 30 Euro. Dafür kann man eine zwei Kilometer lange Fahrt mit herrlichen Ausblicken genießen. Unten angekommen geht das Besichtigungsprogramm gleich weiter. Unbedingt sollte man sich den Bauernmarkt „Mercado dos Lavradores“ von Funchal ansehen. Hier werden alle einheimischen Früchte- und Gemüsearten sowie Korb- und Handarbeiten angeboten.

Eindrucksvoll ist die in der angrenzenden Fischhalle große Auswahl an frischem Fisch. Hier gilt der Spruch „Der frühe Vogel fängt den Wurm“: Wenn die Fischer frühmorgens vom Meer zurückkommen, muss man zu den Ersten gehören, denn der fangfrische Fisch ist schnell verkauft.

Wir setzen unsere Reise fort. Sie führt uns vom Süden Madeiras in den Norden der Insel, nach Boaventura. Dort haben wir für eine Woche inmitten von Weinbergen ein wunderschönes Ferienhaus bezogen. Wir genießen jeden Morgen den fantastischen Ausblick auf das Meer und die eindrucksvolle Natur, ohne Lärm und Autos. Ein fast schon unbezahlbarer Luxus.

Hier oben gibt es etwas ganz Spezielles und weltweit Einzigartiges, die „Levadas“. Dabei handelt es sich um ein künstlich angelegtes Bewässerungssystem, das den eher regenarmen Süden mit dem Wasser des regenreichen Nordens versorgt. Die Wasserläufe umfassen insgesamt rund 2.150 Kilometer. Entlang dieses Systems wurden gut ausgebaute Wege zur Wartung der Levadas angelegt und können heute auch zum Wandern genutzt werden. Somit ist Madeira mit über 2.000 Kilometern ausgebauten Pfaden ein echtes Wanderparadies.

Unweit von Boaventura liegt der Ort „Porto Moniz“. Hier findet sich wieder etwas ganz Besonderes, was es so nur selten gibt, die Naturschwimmbecken „Picinas natureis“ - durch stetige Erosion von Wind und Wasser geformte Becken aus Lavastein. Mit nur einem Euro Eintritt lässt sich hier ein ausgiebiger Badetag genießen.

Ein weiteres Highlight von Madeira befindet sich in der Nähe des kleinen Fischerdorfes Câmara de Lobos. Hier ragt eine der höchsten Steilklippen Europas in die Höhe. Vom 580 Meter hohen „Cabo Girão“ genießt man einen traumhaften Ausblick über die Bucht und das Meer.

Aber das wohl Spektakulärste, was Madeira zu bieten hat, ist der Panoramafahrstuhl bei Fajã dos Padres. Nach einer nur kurzen Einweisung in Portugiesisch und etwas holprigem Englisch, ist man auf sich allein gestellt und ab geht’s in die Tiefe: 250 Höhenmeter in nur vier Minuten. Entlohnt wird man am Fuße der Steilklippe mit der kleinen Bucht Fajã und exotischen Obstgärten. Wegen des besonderen Mikroklimas wachsen hier vor allem tropische Früchte und Trauben.

Auch wenn Madeira viele Naturschönheiten zu bieten hat, eines hat sie nicht: Sandstrände. Auf der Insel, die fast nur aus Steilklippen besteht, gibt es zwar einige Naturschwimmbecken, Swimmingpools und auch einen künstlich angelegten Strand, mit extra importiertem Sand aus Marokko, aber über eine natürliche Bademöglichkeit verfügt sie nicht. Was man auf der bergigen Insel vermisst, findet sich aber auf der Nachbarinsel „Porto Santo“, was soviel wie „Heiliger Hafen“ bedeutet. Und hier gibt es ihn dann – einen acht Kilometer langen Sandstrand. Im Gegensatz zu Madeira das Badeparadies schlechthin.

Für einen Strandtag auf Porto Santo sollte man einen Tagesausflug einplanen. Morgens um 8 Uhr legt die Fähre „Lobo Marinho“ in Funchal ab und etwa 2 Stunden später erreicht man den „Heiligen Hafen“. Die Stadt Vila Baleira ist der Hauptort auf der Nachbarinsel. Sie ist nur wenige Minuten vom Hafen entfernt und liegt direkt am Strand. Kulturelles Wahrzeichen der Insel ist die „Casa Colombo“, das Museumshaus von Christoph Kolumbus.

Hier erfährt man viel Wissenswertes rund um den großen Entdecker und kann einen wunderbar angelegten Garten mit Pflastermosaiken, ganz im Zeichen der Seefahrt, bestaunen. Und natürlich gibt es auch hier eine berauschend schöne Blumenpracht zu bewundern.

Auf unserer Rückfahrt zur Hauptinsel Madeira sind wir aufs Neue beeindruckt vom Anblick der atemberaubenden Schönheit dieses Archipels.

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