|
Ein neuer Morgen bricht an. Wie so oft steigt die Sonne fast senkrecht in den blauen Himmel. Unsere Unterkunft liegt im Süden der Insel – in der mitunter trockensten Gegend. Mit dem Aufstieg der Sonne beginnen sich die ersten Wolken über die mächtigen Berge der Insel, die die Wetterscheide darstellen, zu kämpfen. Schon bald sind die ersten Berggipfel vernebelt – doch die Wolken zerfallen schnell – den Süden erwartet ein freundlicher Tag mit einigen kleineren Wolken. Unsere Fahrt führt uns in die Berge: Der Encumeada-Pass, der die tiefe Hauptschlucht, die Madeira von Nord nach Süd teilt, kurz unterbricht, ist der Ausgangspunkt einer Wanderung, die mit zu den abenteuerlichsten und erlebnisreichsten gehören wird… Beim Öffnen der Autotür auf dem Parkplatz einer Bar auf dem Pass strömt uns auffällig kühle Luft und ein wunderbarer Waldgeruch entgegen. Hier, auf einer Höhe von etwa 1000 Metern über dem Meer, sind wir nur knapp unter den Wolken. Während man die aufgelockerte Wolkendecke und die sonnenbeschienenen Berge beim Blick nach Süden sehen kann, strömen aus dem Norden unaufhörlich leicht nieselnde Wolken heran, welche sich besonders als losgelöste Fetzen durch den schmalen Einschnitt, in dem die Passstraße verläuft, zwängen. Es ist bedeckt, grau und trist, als wir die Betonstufen zur Levada do Norte hinaufsteigen und dem Folhadal-Wegweiser folgen. Wir – das sind mein Vater und ich, die diese Wanderung – eine unserer Ersten auf Madeira – heute auf sich nehmen wollen.
|