Madeira
4trips

Menü

 Reiseinformationen

 Madeira entdecken

 Highlights

 Wellness & Gesundheit

 Sport & Fitness

 Veranstaltungen

 Kunst & Kultur

 Touren & Ausflüge

 Hotels & Quintas

 Madeira von A bis Z

Reiseangebote

 Madeira Reisen

 Pauschalreisen

 Singlereisen

 Ferienhäuser

Surftipps

 Malta Reisen

Online Reiseportal rund um maltesischen Mittelmeerinseln Malta, Gozo & Comino

 Griechenland

Alles über Griechenland und die Griechischen Inseln. Reisen und Infos über Kreta, Rhodos, Korfu & Co.

 

Top 100 Portugal - Die Portugal-Topliste 

 Home  Madeira entdecken  Reiseberichte

Levada do Norte - Levada das RabaCas
Levado do Norte nahe des Encumeada-Passes

Die Levada, ein etwa 1 Meter breiter und vielleicht 60 Zentimeter tief mit Wasser gefüllter, künstlicher, offener Kanal wirkt fast schon etwas verwunschen: gesäumt von Hortensiensträuchern und teilweise blühenden Schmucklilien strömt ihr Wasser zügig und fast lautlos aus der Gegenrichtung kommend an uns vorbei. Trotz des alljährig sehr milden Klimas schaffen sich

Pflanzen, wie beispielsweise wilde Apfelbäume, hier ihre eigenen Jahreszeiten – vollkommen ohne Blätter aber übersät mit Blüten. Levadas gehören zu dem auf Madeira typischen Bewässerungssystem. Es handelt sich hierbei um die, wie erwähnt, künstlich angelegten Bewässerungskanäle, welche sich mit schwachem Gefälle entlang der Berge mit ihren oftmals extrem steilen Hängen, vom regenreichen Hochland in die Täler winden, um dort die zahllosen Bananen- und Zuckerrohr-Plantagen zu bewässern. Rechts neben uns verläuft die Levada. Wir gehen auf einem schmalen Pfad an deren Rand, der uns längst nicht die ganze Zeit erhalten bleiben wird. Nach links, über den Saum aus Schmucklilien und durch die einzelnen Bäume hindurch, blickt man in das tiefe Tal hinab und weiter hinüber zu den Bergen, die die breite Schlucht von der anderen Seite begrenzen und deren Spitzen in einer fast geraden Linie durch die dichten Wolken abgeschnitten zu sein scheinen. Hier und da lässt sich ein Platschen im glasklaren Wasser vernehmen: Forellen, die, durch unsere Anwesenheit aufgeschreckt, blitzschnell abtauchen und genauso schnell – weshalb auch schwer mit Blicken verfolgbar – davon schwimmen.

Levada do Norte nach dem Abzweig zum Tunnel Richtung  Folhada (Blick Rückweg)

Nach etwa 10 Minuten erreichen wir den Tunnel, der uns auf einer späteren Wanderung auf die Nordseite der Berge in eine völlig andere, exotisch-üppig anmutende Welt führen wird – es ist der Tunnel Richtung Folhadal, ein Naturparadies, das seinesgleichen in Europa sucht. Die Levada do Norte und die Levada das Rabaças fließen unter unseren Füßen

vor dem Tunneleingang zusammen. Erstere kommt aus den Bergen im Norden und fließt, ohne besondere Abgrenzung, neben dem teilweise sehr schmalen Pfad durch den etwa 500 Meter langen Tunnel. Wir folgen der Levada das Rabaças. Die niedriger werdende Vegetation gibt uns immer häufiger atemberaubende Blicke auf die Schlucht, die Berge und entfernte, natürliche Wasserläufe, die im Verlauf steile Abhänge immer wieder mit Wasserfällen überbrücken. Schon bald spielt die Schwindelfreiheit, die man auf Madeira häufig unter Beweis stellen muss, eine nicht mehr untergeordnete Rolle: knapp neben dem Pfad, der neben der Levada verläuft, geht es mehrere hundert Meter, teils fast senkrecht, bergab. Es gibt uns das fast unberechtigte Gefühl der Sicherheit, als wir für das weitere Vorankommen den etwa 40 Zentimeter breiten Levadarand, der wiederum circa 50 Zentimeter oberhalb des Pfades liegt, als Weg vorziehen. Die Levada weicht einer kleinen, aber tiefen Nebenschlucht, die nun vor uns liegt, nach rechts aus. Geradeaus eröffnet sich ein Blick auf einen Hang, an dem sich Wolkenfetzen schnell aber wunderschön majestätisch unterhalb der geschlossenen Wolkendecke bewegen. Am Scheitelpunkt der Rechtskurve steht eine einzelne Zeder, in deren schweren Nadelgewand der Wind rauscht. Fast unmerklich geht dieses Rauschen in ein anderes, helleres Geräusch über, dessen Ursache uns auch hinter der Kurve noch durch dichtere Bäume, die hier an dieser Stelle wieder vermehrt vorkommen, verborgen bleibt. Mit jedem weiteren Schritt kommt man der Antwort näher: Ein Wasserfall. Scheinbar aus den Wolken kommend, fließt Wasser in wilden Bewegungen und weiß tosend ein steiles, felsiges Bett hinab auf einen Vorsprung, hinter diesem sich der weitere Verlauf nur erahnen lässt. Einige Meter weiter links kommt das Wasser wieder zum Vorschein. Gerade aus seinem Versteck zwischen Fels und dichteren Pflanzen kommend, stürzt es auch schon – teilweise im freien Fall – aus etwa 4 Metern Höhe dem Erdboden entgegen. Ich spüre die durch die Wassermassen mitgerissene Luft als leicht böigen, mit Nieseltröpfchen durchsetzten Windzug, als ich mich dem Wasserfall zur Aufnahme einiger Fotos nähere. Noch in der gleichen Kehre der Levada, die hier einen kleinen Teil ihres Wassers erhält, befindet sich der Eingang zu einem 300 Meter langen Tunnel. Moose, kleinere Farne und flache Steingewächse zieren den Zugang; von oben hängen die langen Äste wilder Brombeeren ähnlich Lianen herab, zwischen die sich gewaltige – aber nur einzelne – Farnblätter zwängen. Ein schmaler Pfad auf der linken Seite, eine schmale, höher gelegene Abgrenzung zur Levada in der Mitte und schließlich die Levada selbst zur Rechten, verlaufen durch den Tunnel. Der hier oben häufigere Niederschlag – auch in Form von Nebel durch die Wolken – und das Tropfwasser von der Tunneldecke hat den schmalen Pfad stellenweise tief schlammig werden lassen. Ich entscheide mich dazu, die nächsten 300 Meter balancierend auf dem nur 15 Zentimeter breiten Levadarand zu bestreiten: In der rechten Hand die Taschenlampe, die linke Hand halb zur Seite ausgestreckt zum Halten des Gleichgewichtes und zum eventuellen Abstützen an der eigentlich doch fast zu weit entfernten, linken Tunnelwand. Durch den höher gelegenen „Weg“ ist die Grenze zur Decke noch näher als sie ohnehin schon ist. Teilweise so weit nach vorn gebeugt wie beim Gehen nur möglich, streife ich immer wieder mit dem Rucksack die Tunneldecke. Der Rücken beginnt nach einiger Zeit zu schmerzen und zum zweiten Mal stoße ich schmerzhaft mit dem Kopf an das unebene, kalte Gestein über mir. Immer wieder bringt der Schein der Taschenlampe herabtropfendes Wasser zum Glitzern, bevor ich es im Gesicht und auf der Kleidung spüre. Recht langsam, aber verblüffend einfach ist das Vorankommen. Einen Fuß vor den anderen setzend kommen wir dem Ausgang näher und erreichen, uns entspannt aufrichtend, nach fünf Minuten den Ausgang. Wie schon am anderen Ende ist der unmittelbare Tunneleingang auch auf dieser Seite dicht mit Moosen und Farnen bewachsen. Wasser fließt und tropft über schwarzen Stein und den satten Bewuchs in die Levada. Da die Flora im Folgenden vorwiegend aus niedriger Baumheide besteht, bieten sich dauerhaft fantastische Aussichten auf weit unter uns liegende Täler mit ihren steilen Wänden. Etwa ebenso weit über uns liegen die in die Wolkendecke stechenden Gipfel der allgegenwärtigen Berge. Oftmals ist der Rand der Levada nun mit dürren Zäunen begrenzt, die aber nicht durchgehend erhalten sind und teilweise fehlen. An schwindelerregenden Stellen mangelt es nicht – manchmal sollte man somit eher den Blick stur vor sich auf den Levadarand richten ohne die angsterregende Tiefe links neben sich zu beachten: So viel verpasst man nicht, denn wundervolle Panoramaansichten gibt es hier ja zur Genüge. Immer noch ist der Himmel bewölkt, hier und da spüren wir

Wasserfälle auf der Strecke zwischen den beiden Tunnel

einige Tropfen Nieselregen, die aber nicht weiter beachtenswert sind. Wieder und wieder folgt die Levada U-förmig zahllosen Einschnitten, wieder und wieder sind wir beeindruckt von den sensationellen Ausblicken, die sich uns unaufhörlich eröffnen. Links die Berge vor ihren gewaltigen Abgründen, rechts die Levada und, einige hundert Meter

weit von uns entfernt, eingebettet in die Natur, drei Wasserfälle, die sich über die senkrechten Wände in die Tiefe ergießen. Zum Hören zu weit weg, zum Betrachten und Genießen genau richtig, strömen die Wassermassen lautlos und sagenhaft elegant in fast unmerklichen Wellenbewegungen dem Erdboden entgegen…
Nicht viel später gelangen wir erneut an einen Tunnel, dessen Eingang eine einzelne Lerche ziert. Ein aus Holz gearbeitetes Schild, welches die Form einer Hand besitzt, deren Zeigefinger auf den Zugang zeigt, ist an den Stamm des Baumes genagelt worden. Das Schild beinhaltet den fast schon kunstvoll gestalteten, schwarzen Schriftzug „TUNEL DAS RABAÇAS“.
Unmittelbar vor dem Tunnel überbrückt ein Metallgatter auf einer Länge von etwa 1,5 Metern die verbreiterte Levada, die hier kurz keinen begehbaren Rand mehr aufweist. Vor allem mit Moosen bewachsen – wie gewohnt – ist auch hier der Tunneleingang. Von rechts oben stürzt ein etwa 3 Meter hoher Wasserfall hinab und versorgt den künstlichen Kanal mit neuem Wasser. Wir blicken in die dunkle Höhle und erkennen den aufgrund des geraden Tunnelverlaufes etwa 2375 Meter entfernten Ausgang, der von hier aus nur als ein winziger weißer Punkt erscheint. Wir sind unsicher, wie wir die Wanderung fortsetzen sollen als in einiger Entfernung drei weitere Wanderer auftauchen und sich uns nähern. Es sind zwei Männer und eine Frau: Schweizer, die wir schon vor Betreten des ersten Tunnels als solche identifiziert hatten. Während sie dort eine Pause einlegten, haben wir unsere Wanderung nach der Aufnahme einiger Fotos fortgesetzt.
Jetzt sind sie wieder bei uns – nicht weniger verunsichert und ratlos über die weitere Vorgehensweise an diesem Ort. Wir wissen: Dieser Tunnel würde uns weiterleiten Richtung Cascalho – einem kesselförmigen Einschnitt mit Wasserfällen an seinen Steilwänden. Wir wissen ebenfalls, dass dieser Talkessel auch auf bequemere Weise – ohne den langen Tunnel – von der anderen Seite aus erreichbar ist. Nach kurzem Gedankenaustausch mit uns, entschließt sich einer der beiden Männer die Beschaffenheit des Pfades, der durch den Tunnel führt, zu begutachten. Von der Decke tropft es und der Weg wirkt schlammig. Ohne Taschenlampe taucht er in das Schwarz der Röhre ein.

Dem Cascalho abgewandtes Ende des Tunnel  das Rabacas

Die Dunkelheit hat ihn fast ganz verschlungen als er stehenbleibt, sich nach einigen Sekunden umdreht und uns schließlich wieder entgegen kommt. Der Boden sei sehr schlammig und der Betonrand der Levada würde lecken, weshalb Wasser auf den Weg dringt. Die Schweizer befinden sich bereits auf dem Rückweg, während wir immer noch nicht wissen, was wir tun

sollen. Im Grunde steht die Entscheidung fest: Wir werden umkehren und den Cascalho eines anderen Tages erwandern. Ich bin mir unsicher und die wiederholten Fragen meines Vaters lassen mich mehr und mehr nachdenklich werden. Was sollen wir sagen? Wir haben uns nicht für den Weg durch den Tunnel entschieden, weil er unbequem, feucht und dreckig sein könnte? Wir ziehen lieber den „sicheren“, einfacheren Weg zu unserem eigentlichen Ziel vor wie jeder andere verwöhnte Spaß-Tourist es tun würde? Ich weiß, ich würde die Entscheidung, umzukehren, bereuen. Der Ehrgeiz packt mich immer stärker und ich beschließe, selbst ein paar Schritte in den Tunnel zu gehen, um mir ein eigenes Bild vom Zustand des Pfades zu machen: ja, er ist schlammig, ja, Wasser steht am Rand der Levada und engt die begehbare Fläche ein… Aber was tun? – Über zwei Kilometer nach vorn gebeugt auf dem Levadarand balancieren? Vielleicht wird der Weg mit fortschreitender Tiefe auch besser begehbar… vielleicht auch schlechter…
Wasser tropft auf mich herab, während auch ich hier drinnen verweile und überlege. Mir wird klar: Wenn es nach mir geht, kommt ein Rückzug nun nicht mehr in Frage! In meiner Entscheidung sicher, strebe ich dem Eingang entgegen, an dem mein Vater bereits meine Meinung erwartet. Ohne besondere Überzeugungskünste anwenden zu müssen, wählen wir kurze Zeit später eine besondere Möglichkeit, die nächsten 2375 Meter zu bewältigen: Barfuß!

 weiterlesen

 

Home l Über uns l Impressum l Kontakt l Links l Surftipps l Webmaster

© visitmadeira.de 2006-2010