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Die Blume des Ozeanz

Madeira: Die zauberhafte portugiesische Insel gilt als Ort des "ewigen Frühlings" und ist ein Paradies für Wanderer.

Eine milde Meeresbrise und der Duft von fangfrischem Fisch, süßen Früchten und tausenden exotischen Blumen wehen den Besuchern schon direkt nach der Ankunft auf dem Flughafen Funchal entgegen. Madeira verspricht den ewigen Frühling und hält mit ganzjährig 18 bis 25 Grad, was es verspricht. Auf der so genannten Blumeninsel vor der afrikanischen Küste blüht und grünt es rund ums Jahr. Wer es im Winter lieber warm hat, ohne sich mit einem dicken Anorak einpacken zu müssen, der findet mit dem portugiesischen Eiland einen erholsamen Flecken Erde.

Verkosten ist erwünscht

Badestrände gibt es hier kaum, aber mit seinen zahlreichen blumigen Oasen, immergrünen Lorbeerwäldern, steilen Felsklippen, verwunschenen Tälern und rutschigen Bergpfaden ist das Kleinod im Atlantik ein wahres Paradies für Aktivurlauber, Wanderfreunde und Naturliebhaber. Bereits in der Inselhauptstadt lässt sich in den hügeligen Straßen ein Auf- und Abwandern kaum vermeiden. Ein Bummel über den Mercado dos Lavradores verschafft Einblicke in heimische Gärten und Kochtöpfe. Ein Meer aus Blüten von Strelitzie, Weihnachtsstern, Calla, Azalee und Orchideen brandet an Obst- und Gemüsestände, die nicht minder exotische Ware zu bieten haben.

In geflochtenen Körben behutsam gebettet duften Oregano und Lorbeer, liegen verführerisch süße Mangos, werden Granatäpfel, Mini-Bananen und Passionsfrüchte feilgeboten. Fangfrische Tintenfische, Barsche, Brassen und der Degenfisch (Espada), der traditionell jede Speisekarte Madeiras ziert, fehlen ebenfalls nicht. Das Kosten ist nicht nur erlaubt, sodern ausdrücklich erwünscht!

Wer die Reizflut im Kleinen überstanden hat, kann sich bei einer Rundfahrt einen größeren Überblick über die Insel verschaffen. Auf einer der schönsten Straßen Europas, der Antiga E.R. 101, schlängelt sich die teilweise holprige Strecke einmal um die Insel und ihre Gipfel, die vom Meeresboden aus gemessen bis zu 8000 Meter erreichen. Kleine Wasserfälle plätschern schon mal über die Straße, auf der anderen Seite geht es steil abwärts - dort lockt ein grandioser Ausblick auf den tosenden Atlantik.

Eine Fahrt zum Pico do Arieiro am Morgen verspricht einen strahlenden Sonnenaufgang. Der zweithöchste Berg der Insel ist auch Ausgangspunkt für eine Wanderung zum höchsten Gipfel, dem Pico Ruivo. Wer früh aufsteht, genießt hier eine fantastische Sicht. In den Mittagsstunden ist es dafür zu spät. Dann legen sich Wolken mit Nieselregen und Kühle über den subtropischen Lorbeerwald. Der steht seit 1999 auf der Liste des Unesco-Weltnaturerbes. Die knorrigen Bäume trotzen seit Jahrhunderten Wind und Wetter, von Moosen überwuchert. Urzeitliche Farne, wilde Orchideen und die hohe Madeira-Heidelbeere machen aus dem Laurazeenwald einen Märchenwald und laden nicht nur Botaniker zu Erkundungstouren ein.

Wandern in Kanälen

Gewandert wird auf Madeira übrigens nur selten auf Wanderwegen. Täler und Gipfel erschließen sich auf einem Netz aus insgesamt 2000 Kilometer langen Bewässerungskanälen, die Sklaven im 15. Jahrhundert in den Fels kerbten. Noch heute dienen die Levadas als Kanäle, die aus dem niederschlagsreichen Norden Wasser auf die regenarmen Terrassenfelder der Südinsel leiten. Nebenbei spazieren die Touristen in den Kanälen durch einsame Eukalyptushaine, uralte Lorbeerwälder und mannshohes Heidekraut. Lavatunnel und abbruchfällige Steilkanten erfordern jedoch einige Geschicklichkeit, Trittfestigkeit und Schwindelfreiheit.

Schwindelfrei sollte man auch sein, wenn man sich auf eine Fahrt in der Seilbahn zwischen dem Örtchen Monte und Funchal begibt. In nur zehn Minuten schweben die Gondeln über das "Fencheltal" mit seinen strahlend weißen Häusern zur Station der Inselhauptstadt oder des berühmten Bergdorfes, den der letzte Habsburger Kaiser so schön fand, dass er sich hier seine letzte Ruhestätte errichten ließ.

Vom tragisch schönen Ort geht es aber auch ganz anders ins touristische Treiben zurück: per Korbschlitten. Einst wurden Sklaven in diesen Körben an den Felswänden auf- und abgefahren, um die Levadas in den Stein zu kerben. Heute lenken ganz in Weiß gekleidete Steuerleute die geflochtenen Schlitten auf Holzkufen talabwärts - ein Muss für Madeira-Urlauber, genauso wie ein Besuch in einem der vielen Botanischen Gärten der Insel. Schließlich erholt man sich auf der "Blume des Ozeans".

Quelle: OÖNachrichten

 

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